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Aktien? ETFs? What the F?
Jemand hat dir diesen Link geschickt, weil du gefragt hast, wie das mit ETFs funktioniert. Super! Hier erkläre ich dir in 10 kurzen Kapiteln, wie ich seit vielen Jahren mein Geld anlege – entspannt, günstig und ohne ständig auf Kurse zu starren.
Ein paar kurze Fragen vorab, damit ich dir die passenden Kapitel zeigen kann. Deine Antworten bleiben nur auf deinem Gerät.
Kapitel 1
Warum überhaupt investieren?
Weil Nichtstun auch etwas kostet – nur leiser.
Jedes Jahr werden Brötchen, Miete und Urlaub ein bisschen teurer. Das nennt sich Inflation. Liegt dein Geld auf dem Girokonto oder Sparbuch, steht da zwar immer die gleiche Zahl – aber du kannst dir jedes Jahr weniger dafür kaufen.
Unternehmen dagegen wachsen, erfinden Neues und verdienen Geld. Wenn du Anteile an ihnen besitzt, wächst dein Geld mit. Weltweit haben Aktien seit 1900 im Schnitt rund 5 % pro Jahr über der Inflation gebracht – vor Inflation waren es fast 10 %. Kein Sparbuch der Welt kommt da mit.
Aha: Sicher ist das Sparbuch nur in einer Hinsicht – dass es langsam an Wert verliert.
Kapitel 2
Was ist ein ETF?
Stell dir einen Obstkorb vor, statt eines einzelnen Apfels.
Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein Fonds, den du an der Börse kaufen kannst. Er kauft automatisch alle Firmen eines Index nach – zum Beispiel des MSCI World mit rund 1.250 großen Unternehmen aus 23 Industrieländern. Mit einem einzigen Kauf besitzt du also ein winziges Stück von Apple, Nestlé, Toyota, SAP und über tausend weiteren.
Niemand entscheidet da nach Bauchgefühl, was gekauft wird. Der ETF bildet den Index einfach nach. Deshalb ist er so günstig und so berechenbar.
Und weil er an der Börse gehandelt wird, ist dein Geld nicht eingesperrt: Anders als beim Festgeld kannst du jederzeit verkaufen, und das Geld ist in der Regel nach zwei Bankarbeitstagen auf deinem Konto. Das ist ein gutes Gefühl, aber kein Grund, es auch zu tun. Dazu mehr in Kapitel 3.
Klar: Eine einzelne Aktie kann auch mal viel besser laufen als der Markt. Aber genauso kann sie abstürzen – durch einen Skandal (VW-Diesel), Betrug (Wirecard) oder einfach ein überholtes Geschäftsmodell. Dieses Risiko musst du nicht eingehen. Im Korb gleichen die vielen Gewinner die wenigen Verlierer aus.
Aha: Du musst nicht wissen, welche Firma gewinnt. Du kaufst einfach alle.
Kapitel 3
Und wenn's crasht?
Dann bleibst du sitzen. Das ist der ganze Trick.
Kurse schwanken. Manchmal heftig. Das gehört dazu und ist genau der Grund, warum es langfristig mehr Rendite gibt als auf dem Sparbuch. Lass uns das am härtesten Test der letzten Jahre durchspielen: der Corona-Pandemie.
Viele Verluste an der Börse entstehen nicht durch Crashs, sondern durch Panikverkäufe während der Crashs. Wer verkauft, macht den Buchverlust zu einem echten Verlust – und verpasst meistens die Erholung, die oft schneller kommt als gedacht.
Deshalb mein wichtigster Tipp: Leg nur Geld an, das du mindestens 10 Jahre nicht brauchst. Halte daneben ein Notfallpolster von etwa drei Monatsausgaben auf dem Tagesgeldkonto. Dann kann dir ein Crash egal sein.
Aha: „Time in the market beats timing the market.“ Lange dabei sein schlägt den perfekten Zeitpunkt.
Kapitel 4
Die Magie: Zinseszins
Dein Geld verdient Geld. Und dieses Geld verdient wieder Geld.
Wir Menschen sind schlecht darin, uns exponentielles Wachstum vorzustellen. Am Anfang passiert scheinbar wenig, nach 20, 30 Jahren aber explodiert die Kurve. Probier's selbst aus:
Wichtig für den Zinseszins: Die Erträge müssen im Topf bleiben. Darum mag ich thesaurierende ETFs – die legen Dividenden automatisch wieder an. Dazu gleich mehr.
Aha: Der größte Hebel ist nicht die Höhe der Rate, sondern die Zeit. Früh anfangen schlägt viel einzahlen.
Kapitel 5
Welcher ETF?
Es gibt tausende ETFs. Du brauchst genau einen. Vier Kriterien reichen.
1 Breit gestreut
Ein Index über die ganze Welt mit tausenden Firmen, vielen Ländern und Branchen. Der MSCI World deckt Industrieländer ab (ca. 1.250 Firmen). FTSE All-World oder MSCI ACWI nehmen zusätzlich Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien mit. Finger weg von Nischen wie nur DAX, nur „Green Energy“ oder nur KI: höheres Risiko, ohne dass du dafür mehr Rendite erwarten kannst.
2 Günstig
Achte auf die TER (Total Expense Ratio), die laufenden Kosten pro Jahr. Gute Welt-ETFs liegen bei 0,05–0,25 %. Aktiv gemanagte Fonds von der Bank kosten oft 1,5–2 % – und schlagen den Markt langfristig in den allermeisten Fällen trotzdem nicht. Über 30 Jahre können die Mehrkosten zehntausende Euro ausmachen.
3 Thesaurierend
Thesaurierend heißt: Dividenden werden automatisch wieder angelegt, und der Zinseszins läuft von allein. Ausschüttend heißt: Die Dividenden landen auf deinem Konto. Das fühlt sich schön an, aber du musst sie selbst wieder anlegen. Für den langfristigen Vermögensaufbau finde ich thesaurierend einfacher.
4 Groß und bewährt
Ein Fondsvolumen von mehreren Milliarden Euro und einige Jahre Historie sprechen dafür, dass der ETF nicht plötzlich geschlossen wird. Bei den großen Welt-ETFs ist das kein Thema.
Zwei gute Kandidaten – such dir einen aus
Beide erfüllen alle vier Kriterien, stammen von zwei verschiedenen großen Anbietern und sind bei fast jedem Broker als Sparplan zu haben. Du brauchst nur einen davon.
WKN A2PKXG · ISIN IE00BK5BQT80
WKN A0RPWH · ISIN IE00B4L5Y983
Welchen? Willst du die ganze Welt inklusive Schwellenländern wie China und Indien, nimm den All-World. Reichen dir die Industrieländer, nimm den MSCI World. Beides ist eine gute Wahl. Wichtiger als die Entscheidung ist, dass du anfängst.
Warum nicht beide? Mehrere Welt-ETFs bringen kaum zusätzliche Streuung, weil sie zu großen Teilen die gleichen Firmen enthalten. Sie machen das Depot nur unübersichtlicher. Ich selbst habe tatsächlich beide, aber das ist historisch gewachsen. Wer neu startet, nimmt einen.
Das sind Beispiele, die ich guten Gewissens nennen würde, keine Anlageberatung. Ich verdiene an keinem der Anbieter etwas. Es gibt gleichwertige Alternativen anderer Anbieter, teils sogar noch günstiger.
Was kann schiefgehen?
Ehrlich gesagt: Auch ein Welt-ETF ist kein Sparbuch. Hier sind die Risiken, die du kennen solltest, und warum ich trotzdem entspannt bleibe.
🇺🇸 Rund 72 % stecken in den USA
Der MSCI World ist stark USA-lastig. Läuft es dort schlecht, spürst du das deutlich.
Warum ich entspannt bleibe: Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis echter Wertschöpfung. iPhones, Windows, die Google-Suche oder die Chips von Nvidia werden weltweit milliardenfach genutzt, wahrscheinlich auch von dir, heute schon. Diese Firmen verdienen ihr Geld auf der ganzen Welt, nicht nur in den USA. Außerdem gewichtet der Index nach Börsenwert: Verlieren die USA an Bedeutung, sinkt ihr Anteil automatisch. Wer trotzdem breiter aufgestellt sein will, nimmt den FTSE All-World mit Schwellenländern.
💻 Wenige Tech-Riesen haben viel Gewicht
Die zehn größten Firmen machen gut ein Viertel des MSCI World aus, fast alle aus der Tech-Branche.
Warum ich entspannt bleibe: Auch hier sortiert der Index selbst aus. Wer schwächelt, verliert Gewicht, wer aufsteigt, bekommt mehr. Von den größten Firmen des Jahres 2000 sind heute viele nicht mehr in den Top 10, und das hat der Index ganz von allein erledigt.
⏳ Es kann lange dauern
Nach dem Platzen der Dotcom-Blase 2000 (−54 %) und der Finanzkrise 2008 (−48 %) dauerte es insgesamt über 13 Jahre, bis der MSCI World wieder auf altem Höchststand war. Wer im Jahr 2000 alles auf einmal investiert hat, brauchte sehr viel Geduld.
Warum ich entspannt bleibe: Mit einem monatlichen Sparplan kaufst du in solchen Phasen automatisch günstig nach und bist deutlich früher wieder im Plus. Und: Ich lege nur Geld an, das ich lange nicht brauche.
💱 Dollar und Euro schwanken
Die meisten Aktien im Index werden in Dollar gehandelt. Steigt der Euro, sinkt der Wert deines ETFs in Euro, auch wenn die Aktien gleich bleiben.
Warum ich entspannt bleibe: Das geht in beide Richtungen und gleicht sich über lange Zeiträume oft aus. Zudem verdienen die Firmen ihr Geld in vielen Währungen.
🏦 Und wenn der ETF-Anbieter pleitegeht?
Dann ist dein Geld trotzdem sicher. ETFs sind gesetzlich Sondervermögen: Die Aktien gehören den Anlegern, nicht dem Anbieter, und werden getrennt verwahrt. Bei einer Pleite fällt nichts davon in die Insolvenzmasse.
Aha: Langweilig ist hier ein Kompliment. Ein Welt-ETF, ein Sparplan, fertig.
Kapitel 6
Die fünf Anfängerfallen
Tipp auf eine Karte, um zu sehen, warum sie dich Geld kostet.
Aha: Das Schwierigste am ETF-Sparen ist, nichts zu tun.
Kapitel 7 Stand: Oktober 2026
Steuern – in einfach
Klingt schlimm, läuft aber fast komplett automatisch.
- Steuern zahlst du nur auf Gewinne, nicht auf das, was du einzahlst. Bei einem deutschen Depot zieht die Bank sie automatisch ab. Du musst nichts in die Steuererklärung schreiben.
- Gewinne entstehen steuerlich erst beim Verkauf. Und genau das wollen wir ja möglichst lange nicht: Mit einem thesaurierenden ETF wird nichts ausgeschüttet, und solange du nicht verkaufst, realisierst du keine Gewinne. Bis auf die kleine Vorabpauschale (siehe unten) zahlst du also über viele Jahre kaum Steuern, und dein Geld arbeitet ungeschmälert weiter. Relevant wird das Thema erst, wenn du später, etwa im Ruhestand, Anteile verkaufst.
- 1.000 € Gewinn pro Jahr sind steuerfrei (2.000 € für Verheiratete). Das ist der Sparerpauschbetrag. Damit er greift, stellst du bei deinem Broker einen Freistellungsauftrag – das ist ein Klick in der App.
- Darüber fallen rund 26,4 % Abgeltungsteuer inkl. Soli an (plus ggf. Kirchensteuer). Bei Aktien-ETFs sind aber 30 % der Erträge steuerfrei (die sogenannte Teilfreistellung).
- Vorabpauschale: Bei thesaurierenden ETFs wird jedes Jahr Anfang Januar ein kleiner Teil der Gewinne „vorab“ versteuert. Beispiel: 10.000 € im Depot × Basiszins 3,2 % × 0,7 = 224 €, davon nach Teilfreistellung 156,80 € steuerpflichtig. Mit Freistellungsauftrag zahlst du darauf meist gar nichts. Sie fällt nur an, wenn dein ETF im Jahr gestiegen ist, und beim späteren Verkauf wird sie verrechnet. Du zahlst also nichts doppelt. Praktischer Tipp: Lass ein paar Euro auf dem Verrechnungskonto liegen, falls doch Steuer abgebucht wird.
Aha: Freistellungsauftrag stellen – damit hast du 90 % des Steuerthemas erledigt.
Kapitel 8 Stand: Oktober 2026
Für die Kinder anlegen
Bei Kindern ist der Zinseszins am stärksten – sie haben die meiste Zeit.
Schon 25 € im Monat ab Geburt können bis zum 18. Geburtstag ein ordentliches Startkapital ergeben. Und wenn das Kind später selbst weiterspart, wird es richtig spannend. Es gibt zwei Wege:
Geplant: die Frühstart-Rente
Der Bundestag hat im Oktober 2026 beschlossen, dass der Staat für Kinder von 6 bis 18 Jahren 10 € pro Monat in ein Vorsorgedepot einzahlt. Die Zustimmung des Bundesrats steht noch aus, geplanter Start ist 2027. Das ersetzt keinen eigenen Sparplan, ist aber ein netter Bonus.
Kapitel 9 Stand: Oktober 2026
Das neue Altersvorsorgedepot
Ab 2027 legt der Staat Geld dazu, wenn du fürs Alter in ETFs sparst.
Vielleicht hast du davon in den Nachrichten gehört: Ab dem 1. Januar 2027 gibt es das Altersvorsorgedepot. Es ersetzt die alte Riester-Rente für neue Verträge – aber diesmal ohne teure Garantien und mit ETFs. Das Gesetz ist beschlossen, die ersten Anbieter stehen in den Startlöchern.
Freies ETF-Depot oder Altersvorsorgedepot?
Wer vorzeitig ans Geld will, muss die Zulagen zurückzahlen. Auch die Kosten der Anbieter solltest du genau vergleichen, sobald es konkrete Angebote gibt.
Meine Sicht: Das ist kein Entweder-oder. Wenn du ohnehin fürs Alter sparst, ist es ziemlich attraktiv, die Zulagen mitzunehmen – vor allem mit Kindern oder kleinem Einkommen, wo die Förderquote hoch ist. Alles darüber hinaus würde ich ins freie ETF-Depot stecken, an das du jederzeit herankommst. Ein bestehender Riester-Vertrag lässt sich übrigens übertragen.
Aha: 150 € im Monat und zwei Kinder? Dann legt der Staat über 1.000 € im Jahr dazu. Das ist Rendite, für die du nichts tun musst.
Kapitel 10
Los geht's – in 4 Schritten
Du weißt jetzt mehr über Geldanlage als die meisten. Jetzt fehlt nur noch eine Stunde Umsetzung.
Wo eröffnen?
Sparpläne gibt es inzwischen bei vielen Anbietern kostenlos, zum Beispiel bei Neobrokern wie Trade Republic und Scalable Capital oder bei Direktbanken wie ING und Consorsbank. Achte darauf, dass dein ETF dort kostenlos besparbar ist.
Weiterlernen – kostenlos
Wenn du tiefer einsteigen willst, kann ich dir den YouTube-Kanal Finanzfluss von Thomas Kehl uneingeschränkt empfehlen. Und: Für dieses Thema brauchst du keine kostenpflichtigen Seminare oder Coachings.
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